Bedrohte Samtpfoten aus dem Hochgebirge – Wilhelma Stuttgart

von redaktion

Schneeleoparden in der Wilhelma

Seit Ende Dezember ist die Anlage der Schneeleoparden in der Wilhelma nicht mehr verwaist.
Denn eingezogen ist ein junges, neues Zuchtpaar: der Kater Ladakh und die Katze Kailash.
Und obwohl das Wetter derzeit nicht wirklich zu ihrem Namen passt, haben sich die beiden
mittlerweile gut eingelebt. In die Wilhelma kamen sie auf Empfehlung des Europäischen
Erhaltungszuchtprogramms (EEP). Bevor jedoch mit erstem gemeinsamem Nachwuchs zu
rechnen ist, wird aber noch einige Zeit ins Land gehen.

 

Nachdem 2011 der alte Kater Bob gestorben und Lola als zuletzt in Stuttgart geborene
Schneeleopardin im belgischen Tierpark Planckendael ein neues Zuhause und einen neuen Partner
gefunden hatte, stand das Gehege nahe der Eisbärenanlage ein paar Monate leer. Doch seit einigen
Tagen können der Kater Ladakh und die Katze Kailash nicht nur ihr Domizil, sondern auch sich
gegenseitig inspizieren. Bislang allerdings hält sich das Interesse füreinander stark in Grenzen: „Das
ist normal, denn Kailash und Ladakh sind sozusagen noch Teenager und erst in etwa einem Jahr
geschlechtsreif“, erklärt Revierleiter Jürgen Deisenhofer. Zurzeit gibt jedenfalls die 2010 in Zürich
geborene Kailash klar den Ton an, denn sie ist deutlich neugieriger, verspielter und lebhafter als der
fast gleichaltrige Ladakh aus dem französischen Amnéville. „Ladakh ist ein echter Stubenhocker und
versteckt sich oft im Innengehege vor den Blicken der Besucher“, berichtet Deisenhofer. „Aber das
wächst sich mit der Zeit aus.“ Da Schneeleopardenmännchen im Schnitt größer werden als die
Weibchen, werden zudem die Kräfteverhältnisse später neu verteilt.
In ihrem natürlichen Lebensraum, den Hochgebirgen Zentralasiens, leben Schneeleoparden,
auch Irbisse genannt, die meiste Zeit des Jahres als Einzelgänger. An das Leben in diesem
extremen Lebensraum sind sie bestens angepasst. Die großen Pfoten verhindern, ähnlich wie
Schneeschuhe, dass sie im Schnee versinken, in der extremen Kälte wärmt sie ein dichtes, langes
Fell. Zusätzlichen Schutz vor Wind, Schnee und Frost bietet, um Körper und Kopf geschlungen, der
lange, buschige Schwanz. Er dient obendrein bei den bis zu 15 Meter weiten Sprüngen der Irbisse
von Fels zu Fels als praktisches Steuerruder.

Schneeleoparden gehören zu den seltensten Arten unserer Erde. Ihr Bestand wird auf etwa 4000 bis
6000 Tiere geschätzt. Obwohl sie in allen ihren Heimatländern streng geschützt sind, fallen sie
weiterhin Wilderern zum Opfer. Zudem macht ihnen der Verlust ihres Lebensraumes zu schaffen. Die
schönen Großkatzen sind somit auch als Zoo-Bewohner besonders wertvoll: Im Europäischen
Erhaltungszuchtprogramm erfasst sind derzeit rund 220 Schneeleoparden. Auch die Wilhelma hält
und züchtet seit 20 Jahren Irbisse, fünf Jungtiere sind in Stuttgart bislang aufgewachsen. Und wenn
die Zeit dafür reif ist, werden sich bestimmt auch bei Kailash und Ladakh noch Frühlingsgefühle
einstellen – auf dass es mit weiterem Nachwuchs für diese hochbedrohte Art klappt.

[ Nabu, Projekt Schneeleopard ] [ Wikipedia, Schneeleopard ]

Bildmaterial © Wilhelma Stuttgart

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