Der Nachfolger : Joachim Gauck

von redaktion

Der gebürtige Rostocker Joachim Gauck (72) ist evangelischer Pfarrer und gehört keiner Partei an. In der ehemaligen DDR engagierte er sich als Bürgerrechtler.

Gauck, der sich in der DDR weder den “Jungen Pionieren” noch der “FDJ” anschloss, wollte mit dem Berufswunsch Journalist Germanistik studieren, erhielt aber keinen Studienplatz. Stattdessen studierte er nach dem Abitur von 1958-1965 evangelische Theologie. Die Kirche erfuhr er als einen Freiraum, in dem “Anpassung als dominante Verhaltensform” nicht akzeptiert wurde. Gaucks Funktionen als Geistlicher erlaubten ihm in der DDR eine zunehmend offensive und kritische Haltung zu Menschenrechts-, Friedens- und Umweltthemen. Das machte ihn für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) zum Objekt von Ausspähungs- und Disziplinierungsmaßnahmen.

Er gehörte zu den Mitbegründern des Rostocker Neuen Forums und war in dessen Sprecherrat tätig. Bei der ersten freien Volkskammerwahl in der DDR am 18. März 1990 kam er als Abgeordneter der Bürgerbewegungen in die Volkskammer.

Gauck wurde erster Leiter der Bundesbehörde für die Stasi-Akten. Öffentliche Kritik an seiner Aufklärungsarbeit blieb nicht aus. Unter Beschuss geriet er u.a. durch die fristlose Entlassung des Historikers Stefan Wolle im Frühjahr 1991 sowie durch die Tatsache, dass seine Behörde einige ehemalige MfS-Offiziere beschäftigte.

1999 lehnte Gauck einen Vorstoß aus CSU-Kreisen ab, bei der Bundespräsidentenwahl 1999 als Gegenkandidat des SPD- Politikers Johannes Rau anzutreten. Bei der Bundespräsidentenwahl 2010 unterlag er Christian Wulff.

14. Bundesversammlung. Wahl des Bundespräsidenten. Joachim Gauck gratuliert Christian Wulff zur Wahl.

© Deutscher Bundestag / Lichtblick /Achim Melde

Jetzt muß ihn die Bundesversammlung als Bundespräsident bestätigen.

Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert hat die 15. Bundesversammlung auf Sonntag, 18. März 2012, ins Reichstagsgebäude nach Berlin einberufen, um einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin des am 17. Februar zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff zu wählen. Damit findet die Bundesversammlung genau 30 Tage nach dem Rücktritt, am letzten Tag des vom Grundgesetz vorgegebenen Zeitraums von 30 Tagen statt (Artikel 54 Absatz 4). Bis zur Neuwahl amtiert der Präsident des Bundesrates und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer als Bundespräsident.

Die Bundesversammlung ist mit aktuell 1.240 Delegierten die größte parlamentarische Versammlung der Bundesrepublik Deutschland.

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