Verbraucherschützer mahnen Apple ab – Garantie ein Jahr

von redaktion

Elf europäische Verbraucherorganisationen haben Apple wegen der Garantieverlängerung “Apple Care Protection Plan” abgemahnt.

Die vom Computerhersteller Apple beworbene kostenpflichtige Garantie für seine Produkte kann Verbraucher in die Irre führen. Dieser Auffassung ist der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), der das Unternehmen deshalb zusammen mit zehn anderen Verbraucherorganisationen aus ganz Europa abgemahnt hat. Der Grund: Apple wirbt im Internet für eine gebührenpflichtige Herstellergarantie, ohne deutlich auf ohnehin bestehende Gewährleistungsrechte hinzuweisen. Das Unternehmen hat bis zum 30. März Zeit, eine Unterlassungserklärung abzugeben.

Wer auf der deutschen Website von Apple Produkte bestellt, dem empfiehlt das Unternehmen den Kauf einer zwei- oder dreijährigen Herstellergarantie, den so genannten AppleCare Protection Plan. Es preist die Garantie unter anderem wie folgt an: „Alle Hardwareprodukte werden mit einer einjährigen Hardwaregarantie ab Kaufdatum geliefert. Durch den Kauf des AppleCare Protection Plan lässt sich der Anspruch auf Service und Support verlängern.“ Diese Garantie lässt sich Apple teuer bezahlen: So kostet die zweijährige Gewährleistung für Reparaturen eines iPads beispielsweise 79 Euro, eine dreijährige Garantie für ein Mac Book liegt bei 349 Euro.

Gewährleistungsrecht des Verbrauchers

Nach Auffassung des vzbv klärt Apple jedoch nicht deutlich genug über die gesetzlichen Gewährleistungsansprüche des Käufers gegenüber dem Händler auf. Diese gelten in der EU unabhängig von einer Herstellergarantie mindestens zwei Jahre ab Übergabe der Kaufsache. Geben Hersteller eine eigene Garantie ab, müssen sie einfach und verständlich auf die gesetzlichen Ansprüche hinweisen. Diesen Anforderungen genügt die Aufmachung der Apple-Garantie nach Ansicht des vzbv nicht. Vielmehr könne bei Verbrauchern der Eindruck entstehen, dass sie ohne die kostenpflichtige Herstellergarantie nach einem Jahr keinen Anspruch mehr auf Gewährleistung haben. Damit halte Apple sie davon ab, ihre gesetzlichen Ansprüche geltend zu machen. Dies verstoße gegen die Vorschriften des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb.

Europäische Verbraucherschützer gehen gegen Apple vor

Auch Verbraucherschutzorganisationen aus zehn anderen europäischen Ländern (Belgien, Dänemark, Griechenland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Polen, Portugal, Slowenien und Spanien) beanstanden die Werbung von Apple zum „AppleCare Protection Plan“. Die Aktion wird koordiniert von der europäischen Verbraucherorganisation BEUC.

Für uns Kunden ist also zu beachten, dass durch eine Garantiezusage die gesetzliche Gewährleistung in keinem Fall ersetzt oder gar – im Umfang oder der Zeitdauer – verringert werden kann, sondern immer nur neben der bzw. zusätzlich zur gesetzlichen Gewährleistung Anwendung findet.

 

Die BEUC schreibt:

“Consumer organisations across EU call on Apple to stop misleading practices on product guarantees

11 consumer organisation members of BEUC are today calling for an immediate halt to misleading practices by Apple in relation to consumers’ product guarantee rights.
Following a case brought by the Italian consumer body Altroconsumo to the Italian Competition Authority, Apple was fined €900,000 in December 2011 for breaching EU-based legislation on unfair commercial practices. The main malpractices were by:
• Prominently advertising that its products come with a one year manufacturer warranty, without clearly indicating consumers’ automatic and free-of-cost entitlement to a minimum 2-year guarantee under EU Law.
• The way its ‘AppleCare Protection Plan’ warranty extension was presented and sold to customers.
The Authority stated that these practices confuse consumers as to their guarantee rights granted by law. Consumers cannot make a fully informed decision and are misled into purchasing Apple’s commercial guarantees.
The decision was appealed by Apple and the case will be heard in Italy this Wednesday, March 21.
Many consumer groups in other EU countries found the same practices on Apple websites and received complaints from consumers confused by the presentation and promotion of Apple’s warranty service. They demand Apple stop these unfair practices and adapt the information geared to consumers in accordance with EU standards and national legislation.
Monique Goyens, Director General of the European Consumer Organisation commented:
“Consumers are entitled to clear and unambiguous information on all product characteristics, including the legal and commercial guarantees. In a joint effort, consumer organisations across Europe are calling on Apple to bring their unfair practices to an end. In the EU, consumers are entitled to a minimum 2 year legal guarantee. Consumers should not be misled and confused as to fundamental EU consumer rights because a company wants to sell their commercial warranty services. This case is even more important as it concerns such an outstanding market leader whose practices have wide impact.”

The consumer organisations who wrote to Apple or launched a complaint to their national authority are:
Italy: Altroconsumo
Belgium: Test-Achats / Test-Aankoop
Portugal: Associação Portuguesa para a Defesa do Consumidor – DECO
Luxembourg: Union Luxembourgeoise des Consommateurs – ULC
Germany: Verbraucherzentrale Bundesverband – VZBV
The Netherlands: Consumentenbond – CB
Denmark: Forbrugerrådet – FR
Poland: Polish Consumer Federation National Council – Federacja Konsumentów
Spain: Organización de Consumidores y Usuarios – OCU
Slovenia: Zveza Potrošnikov Slovenije – ZPS
Greece: Association for the Quality of Life – E.K.PI.ZO”

1 Kommentar

  1. cindyw
    26 März 12, 11:19am

    ein gigantischer Fortschritt in Richtung Konsumententransparenz!

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