Vorsicht beim Finanzkauf

von Max

Kurz nach Vollendung des 18. Lebensjahres geht es los mit den Finanzierungs- und Ratenkauf-Angeboten.

Für junge Erwachsene bietet sich so die Möglichkeit, Sachen sofort zu kaufen, auf welche man ansonsten teilweise jahrelang sparen müsste.

Insgesamt nimmt der Trend zur Überschuldung laut Schuldneratlas zwar ab, allerdings nimmt er gerade bei den 18- bis 19-jährigen zu. Diese haben 2010 1,5% der Überschuldeten ausgemacht, 2011 waren es 1,9%.

Einfache „Schulden“ haben tatsächlich viel mehr junge Leute, da die statistischen Werte lediglich die Schuldner erfassen, welche überschuldet sind – also in absehbarer Zeit zahlungsunfähig sind und kein Vermögen besitzen.

„Kleinkredite“, Kredite, Leasingverträge und sonstige Vertragsbindungen, meist Handyverträge, ziehen ihre Spuren jahrelang durch das Leben eines jungen Erwachsenen.

Kleinkredite bewegen sich in der Regel bis zu einigen tausend Euro und sind schnell abgeschlossen. Um sich den neusten Computer oder Flachbildschirm zu finanzieren, ist ein oder, besser gesagt, irgendein Einkommen ausreichend. Egal ob das Geld vom Ausbildungsbetrieb oder dem Arbeitsamt kommt: Auf Kleinkredite spezialisierte Banken lehnen selten ab. Der Oberhammer: In der Regel wird nicht einmal ein schriftlicher Gehaltsnachweis benötigt. Personalausweis und EC-Karte reichen den Banken aus, um den Kleinkredit zu bewilligen, schließlich ist das Risiko gering, und wenn der Kunde falsche Angaben macht, kann dieser strafrechtlich verfolgt werden.

Die Motivation findet der Verbraucher im Angebot. 0%-Finanzierungen klingen verlockend und sind an sich wirklich nicht unfair, doch sind diese meist an bestimmte Laufzeiten von manchmal nur 12 Monaten gebunden. Ein zeitgemäßer Computer mit einigem Zubehör im Wert von 1.500€ zu 0% finanziert ist vielleicht günstig, doch werden die 1.500€ letztlich eben wirklich bezahlt – auch wenn man die Ware gleich mitnehmen kann. Bei einem Ausbildungsgehalt von etwa 300€ ist da monatlich fast die Hälfte weg.

Nicht ganz so einfach läuft es bei gewöhnlichen Krediten. Diese werden meist bei Autokäufen benötigt. Ganz gefährlich sind hier die so genannten „Drei-Wege-Finanzierungen“, „Leichtkaufkredite“ oder „Light-Prämien“. Diese bestehen aus drei Teilen: einer Anzahlung, den Raten und einer Abschlusssumme.

In der Regel läuft es so ab, dass die Anzahlung keinen direkten Einfluss auf die Schlusssumme hat. Die Schlusssumme wird anhand des ungefähren Restwertes des Autos von der Bank festgelegt. Mit einer höheren Anzahlung verringert man also lediglich die monatlichen Raten, der Hammer kommt zum Schluss so oder so. Nach einer bestimmten Zahl von Monaten, meist zwischen 24 und 48, wird dann die Restsumme fällig. Bei einem Kleinwagen im Wert von 12.000€  sind das locker 5.000 bis 7.000€, welche dann auf einmal gefordert werden. Bisher hat der Verbraucher ohnehin schon ordentlich bezahlt, da der rückgestellte Betrag, die „Schlusssumme“, nicht von der Tilgung betroffen ist und über die Dauer der Ratenzahlungen voll verzinst wird. Bei einer Restsumme von 6.000€, welche mit üblichen 6,99% verzinst über 36 Monate zurückgestellt wird, fallen da alleine für die nicht angerührte Schlusssumme über 1.250€ an Zinsen an – der Rest der 12.000€ minus Anzahlung sind da noch nicht einberechnet.

Spätestens mit der Fälligkeit der Restsumme kommt die Standardabzocke: Dem Verbraucher wird angeboten, entweder die Summe zu bezahlen, die Summe weiter zu finanzieren oder aber das Auto beim Händler in Zahlung zu geben, um es auszulösen oder sich gar ein neues Fahrzeug zu finanzieren.

Variante A wäre die beste, einfach die Summe zu bezahlen. Gehen wir davon aus, dass bei dem 12.000€-Kleinwagen 3.000€ angezahlt, 3.000€ finanziert wurden und 6.000€ als Restsumme verblieben, hätte der Käufer in den 36 Monaten der Finanzierung jeden Monat 166€ beiseitelegen müssen. Das wäre sehr verwunderlich, da alleine die Ratentilgung der 3.000€ monatlich 83€ erfordert – alles bei 0% Verzinsung gerechnet. So werden aus knappen 100€ eigentlich eher 300€, die man monatlich für die Raten des Autos aufwenden muss.

Variante B sieht eine Weiterfinanzierung vor. Wurde kein Geld angespart, wird der Kreditnehmer hier entweder mit einer langen Laufzeit oder mit einer deutlich höheren Monatsrate konfrontiert. Ein weiterer großer Haken: Die bisherigen Kreditkonditionen gelten nicht mehr, es wird neu verhandelt. Wurde das Fahrzeug anfangs also mit einem werbewirksamen Zins von 2,99% verzinst, können jetzt gut und gerne 6 bis 8 Prozent fällig werden. Für viele ist die Weiterfinanzierung die einzige Möglichkeit.

Wer mit Krediten nichts mehr am Hut haben und die Finanzierung endlich loswerden möchte, der kann das Auto auch einfach abgeben. Der Geldfluss wäre damit aber noch nicht unbedingt gestoppt, da dem Auto nun eine Restwertbewertung bevorsteht. Der ehemalige Besitzer hat nun für jede Schramme, Abnutzung und überhöhte Kilometer zu bezahlen. Restforderungen in Höhe von etwa 1.000€ sind an der Tagesordnung: Hier ein paar Lackkratzer, dort ein Felgenschaden und ein kleines Loch im Sitzpolster und schon ist die Summe fällig. Bei Parkremplern vorne und hinten wird’s richtig teuer.

Die Totalkatastrophe wäre, das Fahrzeug abzugeben und ein neues zu finanzieren. An sich völlig sinnfrei. Wer dies tut, vermeidet zwar meist die aus der Restwertbewertung hervorgehenden Forderungen, doch dies hat seine Gründe – geschenkt gibt es nichts. Händler und Bank verdienen hier nämlich weiter, da im Regelfall nun eine Vollfinanzierung ansteht.

Wer von der Bank keine Finanzierung bekommt, muss nicht zwangsweise auf ein neues Auto verzichten. Es gibt noch die Möglichkeit des privaten Leasings. Beim Leasing ist die Rückgabe des Fahrzeuges von vornherein geplant, es handelt sich um eine Art Mietvertrag. Nach der Anzahlung einer Leasing-Sonderzahlung in Höhe einiger tausend Euro erhält man das Fahrzeug zu festen Monatsraten über einen vereinbarten Zeitraum. Die monatlichen Kosten sind die einer Finanzierung ähnlich, nur mit dem Unterschied, dass das Fahrzeug am Ende abgegeben wird. Wer kein weiteres Auto least, ist als Kunde uninteressant und wird übel ausgenommen. Nach einer Restwertbewertung kommt meist eine saftige Rechnung auf den Kunden zu.

Voll im Trend sind in letzter Zeit Verträge mit „Bonuszugaben“, meist für Internet und Mobilfunk. Die Leichtgläubigkeit mancher Verbraucher ist hier sehr verwunderlich: 500€ bar bei Abschluss eines Handyvertrages oder ein Roller im Wert von 800€ beim Abschluss zweier Handyverträge – dass so viele Leute auf solch ein Angebot eingehen, ist unfassbar, schließlich wachsen solche „Prämien“ ja nicht auf den Bäumen. 500€ durch 24 Monate geteilt (entspricht der Vertragslaufzeit) sind 20€ im Monat, die man für sein eigenes Geschenk bezahlt. Das sind 20€, welche der Anbieter einfach auf den Vertrag draufschlägt um den leichtsinnigen Käufer sein eigenes Geschenk zahlen zu lassen und ihm zu suggerieren, er würde hier ein echtes Super-Sonderangebot abräumen.

Verbraucherschützer raten bei Verträgen jeglicher Art zu vergleichen und auf Prämien zu verzichten, da diese vom Anbieter in den Vertrag einkalkuliert wurden und die tatsächlich nötigen Kosten nur noch weiter erhöhen. Leasing für Fahrzeuge ist eh eine Sache, die sich für Privatpersonen eigentlich überhaupt nicht lohnen kann, da nach laufenden Kosten nichts übrig bleibt, weil das Fahrzeug abgegeben werden muss. Eine andere Sache ist Leasing bei Firmen oder Leuten, die viel Geld haben und alle zwei bis drei Jahre ein neues Auto fahren möchten.

Auch Verbraucherschützer wissen, dass in den seltensten Fällen ein Auto aus der Tasche zu bezahlen ist. Daher wird empfohlen, die Finanzierung mit einer möglichst hohen Anzahlung zu starten: Das Auto sollte immer mehr Marktwert haben als die Höhe der Kreditbelastung beträgt.

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